Entwicklungen in der Star Wars Saga

Entwicklungen in der Star Wars Saga

Die Star Wars Saga besteht in nicht allzu ferner Zukunft aus drei filmischen Trilogien – und ein bisschen Beiwerk. Die alleinige Geschichte von Aufstieg und Fall des Darth Vader ist sie aber schon lange nicht mehr. Jede dieser drei Trilogien erweiterte das Universum um verschiedene Aspekte. Wie veränderte sich da filmische Universum in den inzwischen vier Jahrzehnten seit dem Krieg der Sterne?

The Originals

A New Hope, The Empire Strikes Back & Return of the Jedi

Es war einmal vor langer Zeit – nicht zufällig erinnert der ikonische Schriftzug an ein Märchen. Star Wars ist und war in erster Linie ein Märchen und insbesondere A New Hope ist dem Fantasy-Film deutlich näher als der Science-Fiction. Und eigentlich ist A New Hope auch ein sehr einfacher Film, der von seinem Erbe deutlich überragt wird. Star Wars zeichnet eine deutlich erkennbare ethische Linie und unterteilt seine Welt eindeutig in Gut oder Böse, eine Unterteilung, die sich auch regelmäßig auf visueller Ebene widerspiegelt. Die in weiß gekleidete Prinzessin begegnet ihrem schwarz maskierten Peiniger. Helle Farben in den Kampfschiffen der Rebellen stehen im Kontrast zu den dunklen Gängen des Todessterns und der Sternenzerstörer gegenüber. Blutrote gegen blaue und grüne Lichtschwerter. Einzig die Uniformen der Sturmtruppen wollen nicht in dieses farbliche Schema passen, stehen aber voll und ganz im Dienst der faschistischen Konnotation des Imperiums sowie des angeschnittenen Diskurses über Konformität der gesichtslosen Masse auf imperialer Seite im Gegensatz zur Individualität der rebellierenden Helden und ihrer Kampfgenossen.

Die Handlung ist von ihrer Märchenhaftigkeit ausgehend auch sehr einfach. Der junge Held, der unter Weisung des weisen Mentors in die tiefste Höhle eindringt, um das ultimative Böse zu zerstören und das Elixier zu erlangen – es ist die klassische Heldenreise. An der Richtigkeit seines Handelns, an den grundsätzlich terroristischen Aktivitäten der Rebellenallianz, daran gibt es keinerlei Zweifel, schließlich wird auch der tausendfache Mord an der Besatzung des Todessterns problemlos durch die abgrundtiefe und skrupellose Bösartigkeit von Tarkin und seinen Schergen legitimiert.

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Star Wars The Empire Strikes Back

Durch The Empire Strikes Back erhielt das Universum zwar deutlich mehr Tiefgang, jedoch fokussiert dieser sich insbesondere auf die (philosophische) Weiterentwicklung des Konzepts der Macht, auf die größere Tiefe der Charaktere und auf die emotionale Intensität des Films, welche insbesondere durch die großartig inszenierte Schlacht auf dem Eisplaneten Hoth sowie die finale Enthüllung zurückzuführen ist. Die Handlung bleibt weiterhin eine wenig komplexe und relativ eindimensionale Aneinanderreihung verschiedener Prüfungen für den Helden und seine Freunde. Die jedoch nicht gut ausgehen! Die Brillanz von The Empire Strikes Back liegt insbesondere in seiner weiterhin klassischen Struktur – auch hier finden wir Kampf Gut gegen Böse, wobei durch die neu eingeführte Figur des Imperators das Böse noch ein bisschen böser wurde – die aber die Helden scheitern lässt. Ohne jeden Zweifel ist The Empire Strikes Back der düsterste und dunkelste Film der klassischen Trilogie, wenn nicht gar der kompletten filmischen Reihe.

Return of the Jedi hat anschließend mehr mit A New Hope gemein, als mit The Empire Strikes Back. Das abschließende Kapitel trägt zu Weilen eine gewisse kindliche Naivität – personifiziert insbesondere durch die Ewoks – mit sich, ist aber insbesondere durch zwei Momente interessant, die den moralischen Kompass erweitern: den in der finalen Fassung leider etwas zu kurz gewordenen Kampf Lukes gegen die dunkle Seite, sowie die Erlösung von Anakin Skywalker. Der Fall zur dunklen Seite war zwar irgendwo immer eine relativ abstrakte Gefahr für den Protagonisten, wurde aber bis auf die Vision in der Höhle Dagobahs nie thematisiert. Dieser Luke hört jedoch die Stimme seines Vaters, als er sein neues Lichtschwert in einer Höhle anfertigt (eine sehr gelungene Szene, die leider der Schere zum Opfer fiel), er dringt nicht schleichend oder mit einer List in Jabbas Palast ein, wie Ben Kenobi es in Mos Eisley und auf dem Todesstern tat, sondern zögert nicht sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen – und nicht zuletzt, erstmals trägt er schwarz. Der Ruf Vaders, der Ruf der Dunkelheit wird hier tatsächlich präsent. Gleichzeitig wird aber auch besagte Dunkelheit etwas gelichtet. Durch die Erlösung Darth Vaders ist der Fall zur dunklen Seite nicht mehr absolut, die Grenze zwischen den gegensätzlichen Polen zumindest etwas unschärfer.

The Prequels

The Phantom Menace, Attack of the Clones & Revenge of the Sith

Die Originals waren Abenteuerfilme. Eine kleine Schar an Helden, die durch die Galaxis reist um diese vor den Fängen des bösen Imperiums zu retten. Eine Herangehensweise, die logischerweise in ihren Vorläufern nicht funktioniert. Denn, wie musste die Galaxis vor der Machtergreifung des Imperiums aussehen? Nun, erst einmal muss sie schwach oder instabil genug sein, um durch das Imperium vernichtet zu werden. Sie bedurfte dennoch eines als moralisch gut empfundenen – sprich demokratischen – Systems. Und sie benötigte einen starken Jedi-Orden, der über tausend Generationen lang als Hüter von Frieden und Gerechtigkeit fungiert.

George Lucas veränderte Star Wars mit den Sequels radikal – mit ein Grund für die allgemein schlechte Meinung über die Filme. Er musste sie aber auch verändern, den dieselben Filme, ja sogar die grundlegend gleiche Struktur aus Gut gegen Böse, funktioniert unter den bereits genannten Prämissen nicht. Im Märchen existiert die Gleichung, gut und stark seien gleichbedeutend. Die Alte Republik musste aber ein gutes System sein, um die Rebellion gegen das folgende Imperium zu legitimieren, gleichzeitig aber schwach, um zu fallen. Das gleiche galt noch viel mehr für den Orden der Jedi. Die Filme bekamen so eine deutlich komplexere Handlung und eine wurden vor allem um eine politische Dimension erweitert.

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Star Wars The Phantom Menace

In The Phantom Menace geht es plötzlich um Handelsembargos, um Senats- und Ratssitzungen, um Jedi, die Verhandlungen führen sollen und ganz allgemein um den langen Arm der Bürokratie. Filmisch versagt zwar das Drehbuch an einigen Stellen, es wurde aber eine gute Grundlage geschaffen, auf der aufgebaut werden konnte. Die politische Ordnung ist an sich gut, sie ist aber von innen korrumpiert und gefangen im bürokratischen Apparat. Auch der Jedi-Orden ist ähnlich verkrustet. Es bedarf des beherzten Einschreitens Einzelner um die Handlung zum Guten zu Wenden, denn weder der durch „Verfahrensfragen“ blockierte Senat, noch die Jedi sind in der Lage, den offenen Kampf gegen die eindeutig als böse zu wertende Handelsförderation aufzunehmen.

Hier versucht aber The Phantom Menace auf dieser relativ komplexen Grundlage den Abenteuer-Charakter der klassischen Trilogie zu imitieren. Die Struktur des Films ist erneut eine Reise der Protagonisten zu verschiedenen Planeten mit jeweils wachsenden Herausforderungen. The Phantom Menace zielt offenkundig auf ein junges Zielpublikum ab, was zum einem diese Vorgehensweise – für das Verständnis des Films ist es noch nicht einmal von Nöten die Begriffe Embargo, Senat oder Förderation zu kennen – zum anderen auch die gesteigerte kindliche Naivität erklärt. Jar Jar Binks ist ein permanent im Bild befindlicher Comic Relief, der aber – anders als die nicht unähnlichen Droiden der Originals – beinahe ausschließlich über Slap-stick-Humor funktionieren will.

Der zeitliche Sprung zu Attack of the Clones ist riesig. Und der Film ist eigentlich auch relativ uninteressant. Er nutzt das gleiche Basis-Setting wie The Phantom Menace, versucht sich auch an einer ähnlichen Struktur, wenn diese auch anders begründet ist. Obi-Wan reist durch die Galaxis um Detektivarbeit zu betreiben und so die Klonarmee und die separatistischen Verschwörung zu entdecken, während Anakin als Leibwächter fungiert und von einer Vision auf seinen Heimatplaneten getrieben wird.

Attack of the Clones ist leider relativ uninteressant. Zwar legt er die kindliche Naivität des ersten Teils ab, jedoch nicht genug, um seinem Titel gerecht zu werden. Was er beiläufig zu vertiefen versucht ist die Machtkonzentration Palpatines auf das Kanzleramt – erneut lassen sich Parallelen zum Dritten Reich und zur Machtergreifung Hitlers erkennen – sowie die Arroganz und Dekadenz des Jedi-Ordens.

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Star Wars Revenge of the Sith

Und letztlich nähert sich Revenge of the Sith den Originals wieder am deutlichsten an. Er präsentiert neue Schauplätze in unbekannter Fülle – insgesamt sind neun Planeten zu sehen – wobei die Handlung sich im wesentlichen auf drei davon abspielt. Zwar wurden einige politische Szenen gedreht, in der Bail Organa und Mon Mothma die Rebellion begründen würden, jedoch wurde auf diese Szenen zu Gunsten der Darstellung der Klonkriege und des exzessiven dritten Akts ausgespart. Der Fokus liegt in Revenge of the Sith auf dem Krieg, nicht auf der Politik, wobei ihm die Kategorie Kriegsfilm sicher nicht gerecht wird.

Über die volle Laufzeit hinweg werden die Prequels permanent immer düsterer, mit dem Höhepunkt in Revenge of the Sith, der – unter diesem Aspekt – auch mit The Empire Strikes Back mithalten kann. Mehr als alles andere – gewissermaßen war es auch ihre primäre Existenzberechtigung – sollen sie die Geschichte von Anakin Skywalkers Fall zur dunklen Seite bzw. zur Entstehung Darth Vaders erzählen. Dies geschieht in drei Etappen: Dem naiven und idealistischen Kind, dem zornigen und rebellierenden jungen Erwachsenen und der vom Krieg gezeichnete Jedi.

Jedoch bleiben auch die Prequels relativ oberflächlich, was in diesem Fall jedoch weniger der Intention und Funktion als Science-Fiction-Märchen, als viel mehr der Qualität der Drehbücher geschuldet sein dürfte. Denn obwohl der Faktor Abenteuer zurücktritt und dafür eine politische und eine psychologisierende Dimension hinzukommt wird keinem der neuen Elemente eine eindeutige Priorität zugeordnet. Weder sind die Prequels Polit-Thriller oder -Dramen über den Fall der Alten Republik und des ehrwürdigen Jedi-Ordens, noch sind sie eine Charakterstudie des bekommenden Darth Vader, sie verlieren sich irgendwo in einer Symbiose zwischen der Notwendigkeit von Politik und dem Wunsch nach Abenteuer.

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Star Wars The Force Awakens

The Sequels

The Force Awakens, The Last Jedi & Untiteled

J. J. Abrams hatte für The Force Awakens eine bedeutend größere Freiheit, als Lucas für die eigenen Prequels, insbesondere wegen Disneys Entscheidung, das alte Expanded Universe bestehend aus unzähligen Videospielen, Comics und Büchern, aus dem Kanon zu streichen. Er wählte einen nostalgischen und emotionalen Ansatz. The Force Awakens ist A New Hope extrem ähnlich, bereits vor der ersten Minute. Zwar weiß  der Zuschauer noch nicht, ob die Machtverhältnisse – starke First Order gegen den Widerstand – galaxisweite Gültigkeit besitzen oder nur in jenem Winkel des Universums, sie sind aber wieder identisch: Eine Rebellion muss sich gegen eine faschistische Übermacht zur Wehr setzen. Auch der Jedi-Orden wurde einmal mehr von einem aus den eigenen Reihen maßgeblich dezimiert – Titel und Trailer zu The Last Jedi deuten sogar eine endgültige Beiseitigung der Jedi an.

So weit wird es aller Wahrscheinlichkeit nicht kommen. Doch allein durch die Wahl der drei Protagonisten wird die Trennlinie zwischen gut und böse erheblich verwässert. Rey ist ein klassischer Star Wars Charakter. Ein junger, wenn auch hochbegabter Mensch,  der vom Rand der Galaxis kommt und dem sich zwei völlig neue Welten eröffnen: das physische Universum so wie die Macht. Finn und Kylo Ren hingegen sind anders. Finn ist zu Beginn von The Force Awakens noch ein idealistisches Mitglied der (post-)imperialen Streitkräfte, ehe er sich Rey und dem Widerstand anschließt, während Kylo Ren – vermutlich über die Laufzeit aller drei Filme – in deren Hierarchie sogar sehr weit oben steht. Durch Kylos Blickwinkel wird die dunkle Seite, die böse Seite emotionalisiert, dem Zuschauer verständlicher gemacht. Besonders interessant ist die Szene, in der Kylo über Vaders Helm meditiert. Dabei kommt es zu einer Umkehrung der Werte, er spüre die Versuchung der hellen Seite – einer Versuchung, der er widerstehen muss.

Selbstverständlich ist es zu früh, für ein finales Urteil zur Entwicklung der Sequels. Doch eine klare Tendenz lässt sich ablesen, wie auch für die vollständige Saga. Das Abenteuer-Märchen der Originals wurde mit den Prequels durch eine politische Dimension und eine komplexere Handlung erweitert. The Force Awakens eliminiert den politischen Faktor vollständig – ein relativ ausführlicher Handlungsstrang über die Neue Republik und Hosnian Prime vor der Zerstörung durch die die First Order wurde gestrichen – und fokussiert sich erneut auf das Abenteuer der Protagonisten. Allerdings wird durch einen verschobenen Blickwinkel, der Protagonisten auf beiden Seiten kennt, eine ethische Perspektive zumindest angedeutet, die sich von der Schwarz-Weiß-Haltung der alten Hexalogie distanziert.

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Eine Antwort zu “Entwicklungen in der Star Wars Saga

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