Kritik: La La Land (2016)

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La La Land

La La Land (R: Damien Chazelle, USA 2016)

Ampel - Grün

This is the dream! It’s conflict and it’s compromise, and it’s very, very exciting
(Sebastian)

Inhalt: Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling) versuchen ihr Glück in Los Angeles. In der Stadt der Träume – oder der City of Stars – sucht sie den Durchbruch auf der Leinwand, während er einem eigenen kleinen Jazz-Club hinterherjagt. Erfolg ist keinem der beiden beschienen. Zunächst. Als sie sich begegnen und sich eine zarte Liebesgeschichte entspinnt beginnt ihre Arbeit Früchte zu tragen. Und plötzlich eröffnet sich ihnen die Frage, ob der berufliche oder der romantische Traum der Größere ist.

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Rezension: Große Vorschusslorbeeren begleiteten La La Land. Nach dem hochgelobten Whiplash (2014) sollte es der nächste Ausflug ins Genre des Musikfilms von Regisseur Damien Chazelle werden. Der seinen vorausgegangenen Anpreisungen leider nicht standhalten kann. Dabei ist insbesondere der Einstieg vielversprechend. Nach der toll choreographierten und gefilmten Einstiegsszene entwickelt sich eine wunderschön kitschige, und interessant konstruierte Geschichte. Es hat ein wenig was von Les Amants du Pont-Neuf (Die Liebenden von Pont-Neuf, 1991) wie die Kamera sich Ryan Gosling und Emma Stone unter den zahllosen, im Stau stehenden Autos und ihrer Insassen aussucht. Auch der episodische Charakter des ersten Aktes, bis zum Zusammentreffen der beiden Protagonisten hat seinen Reiz.

Hier, zu Beginn, kann die Beziehung von Stone und Gosling mühelos als eine Allegorie auf die Entstehung des Tonfilms gesehen werden. Sie als der personifizierte Film, er als Reinkarnation der Musik – beide geeint durch ihre tiefe Leidenschaft. Die Wahl des musikalischen Genres ist sicherlich kein Zufall. Einerseits wegen des emotionalen und leidenschaftlichen Charakters von Jazz, andererseits erleichtert dies auch die Metapher zur Filmgeschichte, trug doch der allererste Tonfilm den Titel The Jazzsinger (1927). Das erste Duett der Beiden spiegelt die filmhistorische Entwicklung wider: Lehnen sich die beiden zunächst offenkundig ab – eine Beziehung sei mehr als ausgeschlossen – springt doch urplötzlich der Funken über, der eine ohne dem anderen auf einmal kaum denkbar.

Als Liebeserklärung an das Kino kann dieser Film dennoch nur schwerlich gesehen werden. Denn die Referenzen benötigen entweder viel zu viel Vorwissen und Abstraktion, wie die beiden obigen Beispiele, oder aber sie sind deutlich zu platt. Hier ein bisschen Casablanca (1942), dort ein wenig Rebel Without A Cause (1955), mehr gibt es nicht. The Artist (2012) ging in seiner liebevollen und verklärenden Glorifizierung deutlich subtiler und geschickter vor. Ein ausgemachter Musikkenner und Liebhaber wird an dieser Stelle möglicherweise mehr Gefallen am Film finden.

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Das deutlich größere Problem aber ist ein dramaturgisches. Gosling schwärmt zwar noch, wie der Jazz sich um die Abfolge von Konfrontation, von Konflikt und Kompromiss lebt, Chazelle vergisst aber, dass auch ein Film hiervon lebt. Wo der Held im zweiten Akt stürzen muss, auch – oder vor allem – im Goodfeelmovie, um letztlich doch aus dem Tal wiederzukehren und glücklich in den Sonnenuntergang zu fahren, passiert in La La Land nichts. Rückschläge stürzen die Protagonisten nicht in Sinnkrisen und Verzweiflung, Konflikte werden höchstens kurz angeschnitten, aber sofort wieder gelöst. Sie erhalten kein Gewicht, keine Intensität. La La Land bleibt mutlos und oberflächig. Auch im Moment der Selbstreflexion. Die gegen das Show-Business gefeuerten Spitzen sind nicht bissig genug, um auch nur Kratzer zu unterlassen, es gibt keinen satirischen Blick hinter die Kulissen. Die Filmwelt und ihre Bewohner bleiben ein schöner und weichgezeichneter Traum, in kunterbunten Farben und in Kitsch triefend.

Diese Mutlosigkeit verhinderte, dass aus La La Land ein sehr guter Film wurde. Ein guter ist er dennoch. Es ist eine sehr schöne, wenn auch etwas seichte Geschichte, ein wunderbar belangloses Filmchen. Und in diesem Sinne ist er doch wieder sehr nah dran an der Essenz Hollywoods: La La Land ist vor allem ein süßer kleiner Traum, der irgendwo in der Mittagssonne verlebt wird. Den man entspannt genießt, bei dem aber höchstens die ein oder andere Melodie oder diese unfassbar gute Chemie zwischen Gosling und Stone für längere Zeit im Gedächtnis bleiben wird.

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Fazit: Eine wunderschöne Geschichte, fröhlich und locker inszeniert. Ein perfekter Sonntagnachmittagfilm für die ganze Familie, der niemandem weh tut, der eine hübsche kleine Liebesgeschichte erzählt und seine Protagonisten charmant in Szene setzt. Nicht weniger – aber wegen seiner Mutlosigkeit und dramaturgischen Schwächen auch nicht mehr.

7/10 Punkte

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La La Land

Jahr: 2016
Laufzeit: 128 min
FSK: 0

Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Damien Chazelle
Cast: u.a. Ryan Gosling, Emma Stone, J. K. Simmons, Rosemarie DeWitt

auf
IMDB
Moviepilot
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6 Antworten zu “Kritik: La La Land (2016)

  1. “ Rückschläge stürzen die Protagonisten nicht in Sinnkrisen und Verzweiflung, Konflikte werden höchstens kurz angeschnitten, aber sofort wieder gelöst. Sie erhalten kein Gewicht, keine Intensität.“

    Kann es sein, dass du die letze halbe Stunde verpasst hast?

    Gefällt mir

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